Mythos Normalität

Do, 12. September 2019

Was ist normal? Lässt sich Kunst in Normen pressen, lassen sich Kunstschaffende kategorisieren? Schon lange befinden sich in der Sammlung Würth zahlreiche Werke von Künstlerinnen und Künstlern, die aufgrund ihrer besonderen Eigenschaften außerhalb der gesellschaftlichen Maßstäbe eingeordnet werden. Dass Normalität an sich ein Mythos ist und Kunst keine Behinderung kennt, zeigt jedoch eindrücklich diese Schau.

Zum Schmunzeln regen etwa Maria Schöchlins Bilder von Bäumen an, die von ganzen Scharen an Schmetterlingen, Vögeln oder Katzen in fantastischen Farben bevölkert sind. Auch Uwe Kächeles farbenfrohe Malereien, auf denen Häuser, Früchte und Blumen leuchten, verbreiten eine positive Stimmung. Bernd Bukowski dagegen konzentriert sich auf Zahlen und Daten. Einer der Stars der Ausstellung ist sein „Schrank“, rundum bemalt mit Motiven aus dem Lindenmuseum, innen mit Kalenderblättern ausgekleidet. Außen sind mit Fantasiewesen verzierte Schubladen angesetzt. Weitere Kalenderblätter, auf denen der Künstler wichtige Tage festhält, gezeichnet mit Bleistift, Buntstift und Wasserfarbe auf Papier, belegen ebenfalls sein Faible für Daten. Mit der Stringenz eines Konzeptkünstlers stellt er das immer gleiche Thema dar. Eine besondere Beobachtungsgabe hat der bereits mehrfach für den Euward, den europäischen Kunstpreis für Malerei und Grafik im Kontext geistiger Behinderung, nominierte Markus Buchser. Er verwandelt architektonische oder landschaftliche Strukturen in Bilder von bemerkenswerter Abstraktion, triste Plattenbauten in poetische und klug komponierte Malerei.

Vielerorts hat sich eine lebendige Szene um die Kunst von besonderen Menschen entwickelt – längst scheint das Label „Outsider Art“ überholt zu sein, mit dem sie seit den 1970er-Jahren belegt ist. Carmen und Reinhold Würth beobachten und begleiten diese Entwicklung seit Jahrzehnten mit großem persönlichem Interesse. Mit regelmäßigen Ausstellungen, die sich den Neuzugängen an Kunst von besonderen Menschen in der Sammlung Würth widmen, setzen sie sich für Offenheit, den Abbau von Barrieren zwischen Menschen und ein besseres gesellschaftliches Miteinander ein.

Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung
Markus Buchser, Bernd Bukowski, David Christenheit, Holger Frischkorn, Hans-Jörg Georgi, Joachim Hepler, Joachim Humpert, Uwe Kächele, Eugenio Rossetti, Ines Scheuerpflug, Maria Schöchlin, Ulrike Welz, Helmut Widmaier, Hartmut Winter, Georg Würz

Veranstalter

Hirschwirtscheuer
Scharfengasse 12
74653 Künzelsau

Veranstaltungsort

Hirschwirtscheuer
Scharfengasse 12
74653 Künzelsau

Eintritt

frei

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