Jüdische Persönlichkeiten in Hohenlohe

Die Rabbiner in der Region um Hall

Bis 1828 bildete die Talmudhochschule in Fürth/Bayern (Jeschiwa) viele der in Süddeutschland tätigen Rabbiner aus. Danach mussten sich die vorgebildeten Kandidaten Lehrkreise um bekannte Rabbiner suchen. Lehrkreise bestanden beispielsweise in Lehrensteinsfeld (Kreis Heilbronn) oder an der Landesgrenze zu Würzburg. Von hier aus kamen die Rabbiner später in die Region um Schwäbisch Hall. Einige dieser Persönlichkeiten werden hier vorgestellt.

Die Rabbiner Seligmann Grünwald und Dr. Phil. Naftali Frankfurter

An das 1828 eingerichtete Königliche Bezirksrabbinat Braunsbach, das die jüdische Gemeinden des späteren Landkreises Schwäbisch Hall umfasste, wurde Seligmann Grünwald als erster Rabbiner berufen. Zuerst wurde er Rabbinatsverweser und dann Bezirksrabbiner in Braunsbach. In Lehrensteinsfeld war er von 1834 bis 1844 tätig und kam ab 1844 zur Jüdischen Gemeinde in Freudental, wo er 1856 starb. Sein Werk umfasst die Glaubens und Sittenlehren des Talmuds, nebst Erklärungen der heiligen Schrift in talmudischen Auszügen zusammengestellt und ins Deutsche übertragen, Heilbronn und Leipzig.
(Quelle: Johann Ulrich Landherr 1854)

Auf Grünwald folgte 1835 der junge und sehr fortschrittlich gesinnte Dr. Phil. Naftali Frankfurter. Studiert hatte er in Heidelberg, Tübingen und wurde zuvor (1834) Rabbinatsverweser in Lehrensteinsfeld. Nach Braunsbach 1840 - 1866 war Rabbi Frankfurter zweiter Prediger beim Tempel-Verein in Hamburg. 1848 wurde er sogar in die Hamburger Konstituierende Versammlung gewählt. Frankfurter gab zusammen mit Berthold Auerbach 1838 die bis heute wichtige "Galerie der ausgezeichneten Israeliten aller Jahrhunderte" heraus.


Rabbiner Dr. Maier Hirsch Landauer und Jakob Berlinger

1841 übernahm die Stelle des Haller Rabbinats Dr. Maier Hirsch Landauer. Er studierte zuvor in Karlsruhe, München und Tübingen und war einer der frühesten modernen Forscher auf dem Gebiet der Kabbala - hier wirkte er bis 1860. In dieser Zeit (im Jahr 1852) wurden dem Rabbinatsbezirk Braunsbach die beiden Gemeinden Gerabronn und Nagelsberg angeschlossen.

1862 folgte der traditionalistische Bezirksrabbiner Menachem Menko Berlinger (geboren 1831 in Berlichingen, gestorben 1903 in Braunsbach). Er studierte in Würzburg und Tübingen, war zuvor 1860 Rabbinatsverweser in Oberdorf. Ihm assistierte zu Beginn sein Sohn Jakob, der (eine Neuerung für orthodoxe Rabbiner) in Berlin promoviert hatte. Jakob (geboren 1866 in Braunsbach, gestorben 1945 in Bnei Berak/Israel) studierte in Tübingen, war von 1894 - 1900 zunächst Rabbinatsverweser dann auch Rabbiner in Braunsbach. Dr. Jakob Berlinger wurde zum 31.05.1934 pensioniert und floh 1939 in die Schweiz und dann nach Erez/Israel.

Anmerkung: In Schwäbisch Hall gibt es seit kurzem einen Dr.-Jakob-Berlinger-Weg.
Heute wird der Landkreis Schwäbisch Hall von einem Landesrabbiner der israelischen Religionsgemeinschaft Württemberg betreut.