Jüdische Museen in Hohenlohe

Hällisch-Fränkisches Museum Schwäbisch Hall

Einzigartige Synagogenvertäfelung von Eliezer Sussmann im Hällisch-Fränkischen Museum in Schwäbisch Hall.
In der ehemaligen Stadtmühle sind ständige Ausstellungen zu den Themen: Stadt- und Regionalgeschichte des 19. und 20. Jh., Hall und das Salz, Jüdisches Leben in Hall (mit einzigartiger Synagogenvertäfelung von 1738/39) präsentiert. In einer Abteilung kann der Besucher unter anderem eine Laubhütte aus dem 19. Jahrhundert und die 1738/39 von Eliezer Sussmann ausgemalte Synagogenvertäfelung aus Unterlimpurg sehen, ein in Europa einmaliges Zeugnis jüdischer Kultur welches übrigens als Kopie auch im Jüdischen Museum Berlin Potsdam ausgestellt ist.


Spätestens seit 1718 wurden in Unterlimpurg Gottesdienste für die Comburger und Haller Juden abgehalten, seit 1727 im Dachgeschoss des sogenannten Waller'schen Hauses (Unterlimpurger Straße 65). 1738/39 wurde dieser Betsaal durch Eliezer Sussmann, Sohn des Kantors Salomo Katz aus dem galizischen Brody, mit aufwendigen Wandmalereien verziert. Die Ausstellung solcher Zimmersynagogen entsprach allen liturgischen Anforderungen des Gottesdienstes. Als wichtigster Einrichtungsgegenstand hat sich der bemalte Toraschrein erhalten, in dem die fünf Bücher Moses, die Tora, aufbewahrt wurde. Sussmann konnte sich bei seinen Motiven vermutlich auf Vorlagenbücher aus seiner galizischen Heimat stützen. Der Toraschrein macht aber auch deutlich, dass der Maler Elemente aus der süddeutschen Volkskunst seiner Zeit aufgenommen hat.

Die Ausmalung solcher Holz- oder Zimmersynagogen lässt sich in Polen und der Ukraine seit Ende des 17. Jahrhunderts nachweisen. Seit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges flüchteten viele Juden aus Galizien in Richtung Westen. Auch Sussmann (Lebensdaten nicht bekannt) dürfte als Emigrant nach Franken gekommen sein, wo er in den 1730er Jahren Aufträge zur Ausmahlung mehrerer Synagogen erhalten hat. Die Funktion des Betsaales aus Unterlimpurg wurde bereits im ausgehenden 18. Jahrhundert von einer Zimmersynagoge im benachbarten Steinbach übernommen, die ebenfalls von Eliezer Sussmann dekoriert worden ist. Die Reste dieser Wandvertäfelung wurde vom Historischen Verein für Württembergisch Franken angekauft und im Vereinsmuseum ausgestellt. Nach einer umfassenden Restaurierung im Jahre 2001 ist der Betsaal aus Unterlimpurg - eines der bedeutendsten Ausstellungsobjekte des Hällisch-Fränkischen Museums - in seiner ursprünglichen Form restauriert und neu aufgestellt worden. Träger sind die Stadt Schwäbisch Hall und Historischer Verein für Württembergisch Franken e. V.

Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag, 10 bis 17 Uhr


Auf den Spuren der Hohenloher Landjuden - Rabbinatsmuseum Braunsbach

Von 1832 bis 1913 ist Braunsbach Sitz eines Bezirksrabbiners. Sein Wohnhaus beherbergt auch die israelitische Schule. Im Obergeschoss findet eine Einrichtung für Kinderbetreuung ihr Domizil. Im Haus der ehemaligen Bezirksrabbiner wird die Geschichte der Landjugend am Beispiel des hohenlohischen Dorfes Braunsbach dargestellt.

Mehr als 350 Jahre - vom Beginn des 17. Jahrhunderts bis 1942 - lebten in Braunsbach Juden. 1832 wird der Ort Sitz des Bezirksrabbiners. Braunsbach hat die meisten jüdischen Einwohner und der hiesige Rabbiner war schon lange auch für die umliegenden Gemeinden im Gebiet des heutigen Landkreises Schwäbisch Hall zuständig. Im Jahre 2004 gründet Hans K. Schulz und Wolfgang Kuhn mit engagierten Bürgern aus Braunsbach und Schwäbisch Hall einen Förderverein zur Erhaltung des denkmalgeschützten Gebäudes.

Zu der ständigen Ausstellung werden auch pädagogische Angebote wie Themenführungen oder "Spielerisches Kennenlernen des Judentums" durchgeführt. Von Themenführungen "Bet Olam" bis zu koscherem Essen geht das Portfolio des Rabbinatsmuseums. Geschichtliche Führungen und ständige Museumspädagogische Angebote zu Religion und Ethik: "Rundgang auf den Spuren der Landjuden" und "Rabbiner, Pfarrer, Imam".

Info: Broschüren, Kataloge, Bücher und Filme mit Texten von Museumsleiterin Elisabeth M. Quirbach, die in Braunsbach entstanden sind und sich auf den Ort und die Landschaft beziehen sind in der Schriftenreihe des Rabbinatsmuseums Braunsbach bei hanseli-Verlag GbR erschienen.


Jüdisches Museum Creglingen

Die Kultur- und sozialhistorisch ausgerichtete Dauerausstellung "Wurzeln und Wege" lässt die jüdische Geschichte zweier Taubertäler Landgemeinden vom Anfang des 17. Jhd. bis 1939 lebendig werden. In drei Abschnitten werden die Wurzeln und Besonderheiten jüdischen Lebens in Creglingen und Archshofen, die Wege und Schicksale der jüdischen Menschen und das Weiterleben der Erinnerung an die gemeinsame Vergangenheit dargestellt.

Ein Memo Buch für die Opfer des Pogroms von 1933 zeigt eindringlich, welche Auswirkungen der nationalsozialistische Rassenwahn auf die Schicksale einzelner Menschen hatte. Das Jüdische Museum Creglingen ist auch ein Ort der Begegnung. Regelmäßige kulturelle Veranstaltungen sollen die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit, gegenseitiges Verstehen und Versöhnung fördern.

Von 1618 bis 1879 war das damalige Wohnhaus in jüdischem Besitz. In ihm befand sich vor der Errichtung der Synagoge in der Neuen Straße im Jahr 1800 die "Judenschul". Sein letzter jüdischer Besitzer war der Viehhändler Hermann Stern, der am 25. März 1933 das erste württembergische Todesopfer des nationalsozialistischen Antisemitismus wurde. So sind Standort und Gebäude des Museums eng mit dem Anfang und dem Ende der jüdischen Gemeinde Creglingens verbunden. 1999 erwarb die Stiftung Jüdisches Museum Creglingen das baufällige Gebäude und ließ es restaurieren. Im November 2000 wurde das Jüdische Museum eröffnet. Es ist in das Projekt "Gedenktopographie Creglingen" eingebunden. Eine Dauerausstellung wurde im November 2004 eröffnet.

Öffnungszeiten: Sonntag 14 - 17 Uhr, Gruppen und Führungen auf Anfrage