Das ewige Licht - Jüdische Friedhöfe

In der heutigen Region Hohenlohe-Schwäbisch Hall und im angrenzenden Franken befinden sich jüdische Friedhöfe: Braunsbach (errichtet 1738), Gerabronn-Dünsbach (1823), Wallhausen-Michelbach/L (1840), Schwäbisch Hall-Steinbach (1809), Schopfloch (im 17. Jdh.), Crailsheim (1841).

Jüdische Friedhöfe liegen oft außerhalb von Siedlungen. Meistens sind sie von Mauern, Hecken oder Zäunen um hegt. Dies deutet auf einen zentralen Grund jüdischen Verständnisses hin: die Ruhe der Verstorbenen. Dieser Ort gilt als zweite Heimat der Menschen. Das Erdenleben stellt nur eine kurze Epoche auf dem Weg zu Gott dar. Die Toten ruhen bis zur Auferstehung am jüngsten Tag in ihren Gräbern. Ein Platz des Friedens, der Ruhe, der Sicherheit und Unversehrtheit, das ist ein jüdischer Friedhof.
Der Totenruhe kommt damit ein hoher ritueller Wert zu. Im Gegensatz zu christlich-kommunalen Friedhöfen ist das sogenannte "Abräumen" eines Grabes undenkbar. Um die Totenruhe nicht zu stören werden keine weiteren Arbeiten vorgenommen. An Schabbat und anderen religiösen Feiertagen bleibt der Friedhof geschlossen. Männer tragen beim Besuch immer eine Kopfbedeckung, beim Verlassen sind die Hände zu waschen. Samstags werden die Friedhöfe nicht besucht.

Die Grabanordnung sieht eine Ausrichtung nach Osten vor. Dort liegt Jerusalem und von hier wird der Messias erwartet. Ältere Grabsteine sind in der Regel einfach und rechteckig gestaltet, häufig mit einem Rundbogen oder einem zugespitzten Haupt. Stärkere Verzierungen stammen aus der Barock- und Rokokozeit. Später kamen Neoklassizismus (Säulen, Pilaster) und neuromanische sowie neugotische Elemente hinzu. Doppelgräber waren eher unüblich, konnten aber zu Lebzeiten reserviert werden. Die Inschriften der Grabmale bedeuten Würdigungen des Lebens der Toten und sind meist auf Hebräisch. Oft findet man aber auf der Rückseite einen deutschen Text.
Wichtige Symbole auf den Steinen: Segnende Hände weisen auf den Nachfahren eines Priesters (Kohen) hin. Krug oder Kanne zeigen dass hier ein Tempeldiener (Levit) liegt. Das Widderhorn (Schofar) bedeutet, dass der Verstorbene an den Feiertagen das Horn in der Synagoge geblasen hat. Messer deuten auf einen Beschneider (Mohel) hin. Gebetsbücher oder -tafeln deuten auf thoratreue hin. Ein offenes Buch steht für Wissen und Weisheit. Geknickte Rosen bedeuten ein Kindergrab. Der siebenarmige Leuchter (Menorah) steht für das ewige Licht. Nach altem Brauch werden bis heute bei einem Besuch kleine gefundene Kiesel auf die Grabsteine gelegt. Sie sind ein Zeichen der Erinnerung und des Gedenkens an die Verstorbenen. 
Quelle: Spurensuche AG Gedenkstätten


Israelischer Friedhof in Crailsheim seit 1841

Die Israeliten in Franken waren früher in kleineren Gemeinden in der Markgrafschaft Ansbach und im Hohenlohe'schen ansässig. So haben über fünfzig Ortschaften ihre Toten bis 1840 auf dem Friedhof in dem heute bayerischen Grenzort Schopfloch begraben, 1841 wurde der eigene Crailsheimer Friedhof an der Beuerlbacher Straße errichtet, der eine gestreckte Fläche von 25 Ar umfasst, die mit sechs bis neun langen parallelen Reihen belegt wurde.

Am 26. August 1888 feierte die israelitische Gemeinde Crailsheim einen Festgottesdienst, damals zählte die Gemeinde 20 Familien. Jahre danach ist sie auf die dreifache Zahl angewachsen mit über 300 Seelen. Der Grund: die Nachbargemeinden Goldbach und Ingersheim haben sich aufgelöst und deren Angehörige sind nach Crailsheim übergesiedelt. In Folge dieses Bevölkerungszuwachses wurde in der Stadt sogar eine öffentliche israelitische Volksschule eingerichtet.

Der Jüdische Friedhof Crailsheim liegt am heutigen nordöstlichen Siedlungsrand der Stadt vor dem Karlsberg an der Beuerlbacher Straße. Auf dem Friedhof befindet sich eine Gedenktafel für die sieben jüdischen Gefallenen des Ersten Weltkriegs aus Crailsheim, die ursprünglich an der Synagoge angebracht war. Ebenso wurde ein Mahnmal mit den Namen der in der Zeit des Nationalsozialismus ermordeten Crailsheimer Juden angebracht. Heute sind noch 415 Grabsteine vorhanden. Der älteste stammt aus dem Gründungsjahr 1841.

Der Sandstein der alten Grabmale im nordöstlichen Bereich des Friedhofs ist durchgehend bis zur Unleserlichkeit verwittert. Die letzte Bestattung fand im Jahr 1968 statt. Auffällig ist auf diesem Friedhof die große Anzahl von Paargräbern. Da ein Grab nicht angetastet werden darf und offensichtlich kein Platzmangel bestand, sind Familienpartner in nebeneinanderliegenden Gräbern bestattet, mit weitgehend gleich gestalteten Mazevot. Leider liegen wenig Besuchssteinchen auf den Grabmalen. Das deutet auf wenig Besuch oder aber keine vorhandenen Steinchen hin.


Bet Olam - Haus der Ewigkeit bei Gerabronn-Dünsbach

In dem bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts den Herren von Crailsheim gehörenden Dünsbach bestand eine jüdische Gemeinde bis 1914. Ihre Entstehung geht in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurück. Die jüdischen Familien lebten nach einer Aufstellung von 1730 vom Handel mit Vieh, Kupfergeschirr, Tüchern oder Betten.Die Toten wurden zunächst vermutlich aus Braunsbach, seit 1823 aber auf einem eigenen Friedhof östlich des Ortes beigesetzt. Die Umfangsmauer wurde laut Inschrift 1884 von "Hirsch Steiner aus Schigago" gestiftet. Auch die in Gerabronn verstorbenen jüdischen Personen wie beispielsweise Familie Landauer wurden auf dem Dünsbacher Friedhof beigesetzt.

Die erste Beisetzung auf dem 76 - 80 Gräber umfassenden Friedhof war von Brandl Wassermann am 2. August 1831. Hundert Jahre später wurde als letzter Felix Wassermann beigesetzt, gestorben am 2. April 1932. Ferner gehörte es im Fall der Dünsbacher Gemeinde dazu, dass der Friedhof an einer Stelle liegen sollte, die auch von Gerabronn aus gesehen werden konnte. Ein jüdisches Grab wird nur einmal belegt. Es ist Teil des "Hauses der Ewigkeit" (bet olam), wie der Friedhof genannt wird. Hier liegt der Tote in seinem Grab mit Blick nach Osten. Die Herstellung der Grabsteine konnte ursprünglich nicht von jüdischen Handwerkern gemacht werden, weil sie keine Steinmetze sein durften. Die Grabsteine sind vorne meist hebräisch beschriftet und unten stehen die hebräischen Buchstaben TNZBH, was auf 1. Samuel 25,29 hinweist und sinngemäß so heißt: "Möge seine Seele eingebunden sein im Bündel des ewigen Lebens." Hinten auf den Grabsteinen steht meist die Inschrift auch in Deutsch.

Bei Israel Landauer ist zum Beispiel nur eine deutsche Inschrift vorne auf dem Grabstein zu finden. Einige der Symbole auf den Steinen kann man deuten: Die segnenden Hände weisen auf jemanden hin, der zum priesterlichen Geschlecht gehörte. Die Ranken des immer grünenden Efeu sind Sinnbild des ewigen Lebens, die Mohnkapseln Sinnbild des Todes und der ewigen Ruhe, welkende Blumen ein Sinnbild des Sterbens. Darüber hinaus haben die allgemeinen Stilrichtungen der Bestattungszeit - wie z. B. der Neoklassizismus mit seinen Säulen und Pilastern - Auswirkungen auf die Gestaltung der Grabsteine gehabt.


Die Synagoge von Michelbach an der Lücke

Die Synagoge in Michelbach an der Lücke, einem Ortsteil von Wallhausen, gilt als ältestes erhaltenes jüdisches Gotteshaus in Württemberg und dient heute als Dokumentationszentrum für die Geschichte der Juden in Franken.
Die Geschichte der jüdischen Gemeinde Michelbach/Lücke beginnt im Jahre 1520. Fast alle Reichsstädte in Süddeutschland begannen ihre Juden aus dem städtischen Gebiet auszuschließen, so auch in Rothenburg o. d. Tauber mit einer "unblutigen" Judenvertreibung. "Unblutig", das bedeutete, dass Gewalt angewandt, die Synagoge zerstört, die Häuser verlassen werden mussten, aber niemand umgebracht wurde. Diese Juden, alles Händler, tauchten kurze Zeit später im Grenzgebiet auf, meist in den kleinen Ritterschaften Frankens.

1660 lebten in Michelbach 23 Protestanten und 7 Juden. Die relativ liberale Judenordnung führte jedoch zu einem starken Zuzug jüdischer Familien. Dieser machte 1757 den Neubau einer eigenen Synagoge notwendig. 1810 fiel Michelbach im Zuge der Napoleonischen Neuordnung an das Königreich Württemberg. Die Landjudenschaft endete mit dieser Eingliederung. Inzwischen gab es in Michelbach über 100 Juden am Ort in 26 Haushalten. 1869 gab es die größte Anzahl Juden im Ort. Mehr als 1/3 der Bevölkerung waren Juden. Mit der Gleichstellung und der Emanzipation begann auch der Niedergang. Juden wanderten wegen der besseren Verdienstmöglichkeiten ab in die größeren Städte. Prominentes Beispiel ist Adolf Jandorf aus Hengstfeld. Er zog 1899 nach Berlin und gründete dort das KDW, das Kaufhaus des Westens.

Nach dem Krieg diente die Synagoge als Lagerraum. 1979 stellte der damalige Besitzer einen Abbruchantrag für die inzwischen fast völlig verfallene Synagoge. Durch diesen Antrag wurde die Gemeinde aufmerksam und erwarb das Gebäude. Mit sachkundiger Unterstützung des Landkreises Schwäbisch Hall wurde die Synagoge in den Jahren 1983/84 grundlegend restauriert: Der barocke Toraschrein konnte dabei nach einer alten Vorlage, einem Foto des nach Amerika ausgewanderten Bruno Stern, dessen Mutter aus Michelbach stammte, wiederhergestellt werden. Die Synagoge beherbergt heute ein kleines Museum und eine Gedenkstätte. Seine Dauerausstellung erläutert den Besuchern Aspekte der jüdischen Regionalgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts.


Jüdischer Landfriedhof an der Grenze zu Franken

Michelbach/Lücke ist ein Ortsteil von Wallhausen und liegt heute an der östlichen Grenze zu Franken. Auf dem, zwischen den Gemarkungen Rot am See und Wallhausen gelegenen jüdischen Ruheort, finden sich über 300 Grabstätten.
Das älteste Grab mit stark verwittertem Stein, ganz auf der südwestlichen Seite, ist aus dem Gründungsjahr 1840. Das wohl prominenteste Grab auf diesem Friedhof ist die letzte Ruhestätte der Mutter von Adolf Jandorf aus dem unweit gelegenen Hohenloher Örtchen Hengstfeld.

Er zog nach dem Tod seiner Mutter Ricka Jandorf im Jahr 1899 nach Berlin und gründete später das weltberühmte Kaufhaus des Westens (KDW). Weitere Namen die öfters auf den Steinen auftauchen sind die Familien Stern, Ries, Gundelfinger, Samer und Neumann. Alle Familien stammten aus dem Gebiet Hohenlohe und Franken.

Genisa - ein Aufbewahrungsort für heilige Schriften
Im Judentum dürfen religiöse Werke wie Torarollen oder Gebetsbücher, die altersbedingt oder wegen starker Beschädigung keine Verwendung mehr finden, nicht weggeworfen oder zerstört werden. Sie sind heilig, denn sie tragen den Gottesnamen. Deshalb wurden diese Gegenstände in Synagogen eingelagert oder oft auch auf Friedhöfen beerdigt. Der Begriff "Genisa" geht in seinem Stamm auf die Worte für "verborgen" oder auch "Schatzkammer" zurück.