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Hohenlohe - deine Schlitzohren

Belagert von den Freien Reichsstädten Schwäbisch Hall, Rothenburg und Dinkelsbühl hungern die Crailsheimer im Jahr 1380 seit drei Monaten. Schon droht die Erstürmung der Stadt. In dieser Not kann nur eine List helfen: Die Frauen der Stadt sammeln das letzte Mehl ein, backen ein ganz besonderes Gebäck, die Horaffen, und werfen sie den angreifenden Feinden über die Mauer. Und zur Bekräftigung steigt die Frau des Bürgermeisters auf die Wehranlagen und präsentiert ihr üppiges, blankes Hinterteil. Beim Anblick dieser Fülle an Brot und Speck ist das Heer der Reichsstädte überzeugt, dass der Kampf verloren ist und die Soldaten ziehen ab. Am Stadtfeiertag erinnern sich die Crailsheimer jedes Jahr an diese Geschichte und verteilen an die Kinder die Horaffen –  Hörnchen, deren Form an die Zahl 3 erinnert. 

Wie der Schlitz in's Ohr kam
Wahr oder erfunden? Für die Hohenloher ein früher Beleg ihrer Gewitzheit. Sie selbst nennen diese Eigenschaft lieber Schlitzöhrigkeit - ganz bewusst mit „ö“ statt mit „o“ geschrieben. Manfred Wankmüller, 1988 in Gerabronn verstorbener Chefredakteur des Hohenloher Tagblatts, erreicht mit seinen „Schlitzöhrigen Geschichten“ in Hohenloher Mundart Kultstatus. In einer dieser heiterhintersinnigen Geschichten fabuliert Wankmüller, wie bei den Hohenlohern der Schlitz ins Ohr kommt: Nachdem der liebe Gott den Hohenloher auf der Töpferscheibe perfekt geformt hat, passiert Erzengel Gabriel vor dem  Brennen ein Missgeschick: das Ohr hat einen Schlitz. In dieser humorvollen Hommage an Hohenlohe beschreibt Wankmüller den Hohenloher als „Prachtskerl“: „leicht mager, kühn der Blick und ein fröhlicher Zug um den Mund“ – und mit „himmlisch bedingtem Durst“. Und der Schlitz? Den sieht der liebe Gott natürlich als Auszeichnung. 

Genau wie die Hohenloher. Sie wissen genau, wie sie sich durch ihre Gewitztheit, ihr diplomatisches Geschick und ihren Humor Vorteile verschaffen können. Plumpe Direktheit widerstrebt dem Hohenloher. Vom Mittelalter und der frühen Neuzeit,  als die Hohenloher Grafen und Fürsten in der Politik ein gewichtiges Wörtchen mitsprechen, bis in die Gegenwart: Dass in Hohenlohe hinter jedem Busch ein Weltmarktführer sitzt, ist dem Schlitz im Ohr zu verdanken. Oder etwa nicht? 

Wörterbuch für Neigschmeckte
Hohenlohisch ist ein ostfränkischer Dialekt, der seit dem erzwungenen Anschluss an das Königreich Württemberg vor 200 Jahren in einigen Regionen unter Anpassungsdruck durch das Honoratiorenschwäbisch steht. Zur Einstimmung und für jeden Aufenthalt ein Auszug aus dem Dialekt-Wörterbuch:

HohenlohischHochdeutsch
annâweechtrotzdem
mouMann
fraaFrau
CraalsâCrailsheim
ebbiirâKartoffeln
ougneemangenehm
ärwâdArbeit
bôômBaum
bräschdlingErdbeeren
iewwerzwerchungestüm
kousch mr ewes geewâ?Kannst du mir etwas geben?
Wo die Hasâ Hosâ haaßâ un diâ Hosâ Housâ haaßâ, dôô bin ii dâhôôm!Wo die Hasen Hosâ heißen und die Hosen Housâ heißen, da bin ich daheim! (zur Charakterisierung der Hohenloher)
Dô hewâdâr aich awer aa s'schenschd Weedâr rausgsuâcht.Da habt ihr euch aber auch das schönste Wetter rausgesucht.
  • Crailsheimer Horaffen-Grafik (Foto: Stadt Crailsheim)
  • Crailsheimer Horaffen
  • Karikatur: Heinz Knaus